OLMA Bratwürste, Kälte und Bärner Gringe

In St. Gallen empfing uns der Hochnebel mit ungemütlich kalten Temperaturen. Aber wir von der MGA waren gerüstet. Strumpfhose, Stülpen, Pullover unter dem Hemd und Geschichten über die Badeferien am Meer halfen, die unangenehme Kälte zu vertreiben. Die Vorfreude auf den Umzug war ebenfalls hilfreich. Wir freuten uns auf einen vielversprechenden Tag.

Der Kambly-Zug der BLS startete frühmorgens in Spiez. Wir sind in Thun zugestiegen und via Bern, Burgdorf, Langenthal direkt nach St. Gallen chauffiert worden. Unterwegs gab es Kaffee und Gipfeli und kurz vor der Ankunft erhielten wir sogar noch eine knall grüne Sonnenbrille. Ruth, unsere Fotoreporterin, hatte deshalb auch gleich ihren ersten Einsatz.

Beim Warten auf den Beginn des Umzuges zeigte uns Enrico, wo er zur Schule ging und erklärte uns, wieso man in St. Gallen im Winter das Trottoir besser meidet. Wie ihr sicher wisst, war die OLMA für unseren Dirigenten Enrico Calzaferri ein Heimspiel. Er ist nämlich ein waschechter Ostschweizer. Das Warten ebenfalls verkürzt haben uns die Pösteler mit ihren Schokoladenkugeln sowie viele weitere Sujets des Umzuges, wie zum Beispiel die Bereitermusik Bern und Bernhardiner, welche sich von hinten zu ihren Startplätzen auf den Weg machten.

Irgendwann war es soweit. Wir waren am Start des Umzuges und es konnte los gehen. Das letzte Mal versuchen, die Finger aufzuwärmen und dann richten. Dann ging es Schlag auf Schlag, respektive Fuss um Fuss vorwärts. Mit jedem Ton wurden die Finger etwas geschmeidiger, die Füsse wärmer und die Gesichter entspannter. Den Zuschauern gefiel unsere Darbietung, und natürlich auch jene der anderen 1150 Teilnehmenden, gut. Sie applaudierten uns zu. Laut Schätzungen säumten rund 40‘000 Menschen den Umzug – was für eine riesige Menge!

Rein gefühlstechnisch endete der Umzug recht bald. Man hat uns vorab erklärt, dass die Parade rund zwei Stunden dauern wird. Dem war nicht so. Eine halbe Stunde nach dem Start waren wir schon im Ziel. Wie wir später erfahren haben, sind wir Berner überhaupt nicht so langsam wie unser Ruf. Wir werden in die Annalen der 69-jährigen OLMA-Geschichte als schnellster Umzug überhaupt eingehen.

Nach dem Umzug nahmen wir in der Moststube platz. Das Mittagessen, ein typisches OLMA Gericht, wartete auf uns. Damit wir nicht als Banausen auffielen, haben einige MGAler sich bereits am Freitagabend mit einer Tube Senf eingedeckt. Man weiss ja nie, denn bekanntlich isst man die Bratwurst im St. Gallen ohne Senf. Ob Albert Einstein diese senflose Tradition beibehalten hat, weiss ich nicht. Er sass mir im Rücken und ich konnte ihn darum nicht gut beobachten. Ebenfalls an Einsteins Tisch waren Persönlichkeiten wie Jeremias Gotthelf und Ferdinand Hodler. Auch ein Astronaut war dabei. Er symbolisierte die Uni Bern, die mit dem Projekt „Sonnenwind-Segel“ auf dem Mond war.

Einige Impressionen später haben wir uns in der Arena wieder getroffen. Hinter uns die Rennschweine, vor uns etliche Politiker und andere wichtige Personen und mitten drin wir mit vier anderen Musikvereinen. Roland Jeanneret führte durchs Programm und präsentierte Turnerinnen und Turner aus dem Seeland sowie Nachwuchsschwinger aus dem Kanton Bern. Sogar der Oberländer Schwingerkönig Kilian Wenger war anwesend. Einem MGAler gelang ein Schnappschuss aus nächster Nähe. Ruth, unsere Fotoreporterin, fotografierte was das Zeug hält. Wir konnten sie während unseren Spielpausen gut beobachten. Nichts ist ihrer Linse ferngeblieben.

Ziemlich tiefgefroren genossen wir die letzten Minuten der OLMA, bevor es mit dem Kambly-Zug wieder Richtung Heimat ging. Für mich war dieser Tag ein schönes, aber kaltes Erlebnis.

Susanna Balmer