Tatort Allmendingen

Gespannt und neugierig auf das diesjährige Unterhaltungskonzert der Musikgesellschaft Allmendingen/Thun, ergriff ich mein Fahrrad und machte mich auf den Weg Richtung Allmendingen. Ein warmer Sommerabend, wie es ihn leider viel zu selten in unseren Breitengraden gibt, hielt mich nicht davon ab, in der Mehrzweckhalle beim Schulhaus Platz zu nehmen und die Klänge einer Harmoniemusik zu geniessen. Selbst die Fussball-EM konnte mich nicht von meinem Vorhaben abhalten. Ich bemerkte jedoch schnell, dass ich nicht der einzige war mit dieser Absicht. Der attraktive Konzert-Flyer versprach ja so einiges an Spannung und musikalischen Herausforderungen.

Um 20:00 Uhr waren die meisten Plätze besetzt. Gut 200 Personen konnte ich von meinem Sitzplatz aus zählen. Sie alle warteten gespannt auf die musikalischen Darbietungen.
Als ehemaliges Aktivmitglied freute ich mich im Speziellen auf die Ansage. Der sonst eher fade Part, der bei vielen Ansagern meist mehrere Minuten dauert, wurde vom bekannten Spass-Duo „Seretos“ übernommen. Ich erinnerte mich zurück an frühere Konzerte, an denen die beiden Spassvögel, Reto Kupferschmied und Serge Geissbühler, das Publikum gekonnt und kurzweilig mit amüsanten Einlagen zu unterhalten wussten. Die Ansage gewann dadurch an Attraktivität und wurde immer mit viel Applaus belohnt.

Pünktlich und mit rhythmischer Unterstützung von Schlagzeugern marschierte der Nachwuchs der Musikgesellschaft Allmendingen/Thun auf die Bühne. Die jungen Musikantinnen und Musikanten nennen sich „Young Blowers“. Die musikalische Leitung hatte Enrico Calzaferri. Die „Young Blowers“ eröffneten ihr Konzert mit einem traditionellen Marsch. Sie präsentierten während gut 20 Minuten ihr Repertoire, das sie anlässlich des diesjährigen Musiklagers einstudiert hatten. Sie wurden dabei von erfahrenen Aktivmitgliedern des Musikkorps unterstützt. Die musikalische Vielfalt begeisterte die Zuhörerinnen und Zuhörer. Der Stolz vieler anwesenden Eltern und Angehörigen war am Applaus deutlich spürbar. Ein erster Höhepunkt des Abends und natürlich ein gern gehörter Hit von mir, ist der bekannte Titel „Smoke on the water“. Ein grosses Kompliment hierbei für den jungen Schlagzeuger Nick Krebs. Er führte die „Young Blowers“ gekonnt und stilsicher, mit einem rockigen Groove, durch das ganze Arrangement. Gratulation für die ganze Band. Innerhalb von nur vier Tagen studierten sie ein sehr unterhaltsames Konzertprogramm ein. Das ist eine sehr anspruchsvolle und zeitintensive Arbeit und braucht viel Fleiss und Geduld. Es ist nicht selbstverständlich, dass man diese Herausforderung auf sich nimmt. Das heutige Freizeitangebot bietet sicher viel einfachere und weniger fordernde Beschäftigungsmöglichkeiten an. Ich bin erfreut an der Anzahl junger Musikerinnen und Musiker, die sich engagieren. Die Musikgesellschaft Allmendigen/Thun ist auf euch angewiesen, denn nur mit euch kann sie optimistisch in die Zukunft blicken. Weiter so. Ich freue mich auf eure nächsten Auftritte.

Der Präsident, René Rüttimann, wandte sich nun an alle Zuhörerinnen und Zuhörer im Saal. Er begrüsste alle Anwesenden und bedankte sich zugleich für das zahlreiche Erscheinen bekannter Gesichter. Anschliessend übergab er das Wort dem Duo Seretos. Mit gekonnter Komik, dezenter Witzigkeit und ausgesprochen amüsanter Mimik, übernahmen sie die Führung durch das Konzertprogramm.

Das Unterhaltungskonzert der Musikgesellschaft Allmendingen/Thun wurde mit der bekannten Filmmelodie von Superman eröffnet. Wer die Actionfilme von Clark Kent, alias Superman und der schönen und intelligenten Fernsehreporterin, Lois Lane, gesehen hat, erkennt diese unverkennbare Musik von J. Williams sofort. Die Bässe wurden bereits beim ersten Stück stark gefordert. Die unzähligen Staccato-Passagen beanspruchten die Zungen der Musiker zum Teil hörbar. Wer schon einmal ein Blechblasinstrument gespielt hat, oder es zumindest versucht hat, der weiss, dass sehr viel Kraft, Ausdauer und Flexibilität der Lippenmuskulatur erforderlich ist, um solche Passagen rhythmisch und trotzdem locker zu spielen. Bravo Bässe.

Nach ein paar technischen Problemen mit den Mikros war es Zeit für ein erstes Highlight dieses Konzertabends. Alcatraz, oder eben „The Rock“ ist die Filmmusik eines weiteren Actionfilms. Dieser Film mit den beiden bekannten Schauspielern Sean Connery und Nicolas Cage ist ein echter „Kracher“ und zugleich einer meiner Lieblingsfilme. Die Musik von Hans Zimmer versetzte mich in Gedanken in das weit entfernte San Francisco. Lange, tiefe und voluminöse Töne legen den Boden für das tragische und melodische Thema und vermitteln ein Gefühl von Mystik.
Der Dunst des Pazifischen Ozeans, an der Westküste Amerikas, zog über die Stadt. Die Sonne stieg auf und erleuchtete die imposante, dunkelrote Golden Gate Bridge. Im Hintergrund, gefangen im Nebel, der Fels der Entscheidung – The Rock. Einige Kilometer vom Festland entfernt befindet sich die ehemalige Gefängnisinsel Alcatraz. Impressionen wie vorgenannt schwirrten mir durch den Kopf, währendem ich aufmerksam zuhörte. Auch wenn mir an einigen Stellen etwas Intensität und Power gefehlt hat, war es trotzdem eine eindrückliche Vorstellung des Musikkorps. Komplimente auch an das junge Schlag- und Perkussionsregister. Sie wurden auf verschiedenen Schlaginstrumenten mehrmals rhythmisch und auch melodiös gefordert. Ihr habt euch tapfer geschlagen.

Die Seretos lockerten danach die angespannte Stimmung gekonnt, jedoch mit erneuten Mikrofonproblemen auf. Keine technische Ursache war der Grund für die Störung. Im Gegenteil. Die Verständigungsprobleme von Reto Kupferschmied waren absichtlich. Die extrem witzige Showeinlage kam beim Publikum gut an und wurde mit viel Applaus belohnt.

Als musikalische Auflockerung ertönte dann das bekannte Thema des Gefangenenchors aus der Oper Nabucco von G. Verdi. Kurz vor der Pause erinnerten wir uns zurück an einen grossartigen und erfolgreichen Schweizer Musiker und Bandleader, der uns dieses Jahr leider verlassen musste. Hazy Osterwald – wer kennt ihn nicht. Als Erinnerung an seine unzähligen Hits und musikalischen Erfolge spielte die Musikgesellschaft Allmendigen/Thun den Welt-Hit „Kriminaltango“.

Während der anschliessenden rund 20-minütigen Pause behändigten die Zuhörerinnen und Zuhörer diverse Getränke und üppige Köstlichkeiten. Aktivmitglieder versuchten mit dem nötigen Charme verschiedenfarbige Lose für die Tombola zu verkaufen.

Unter der Leitung von Bernhard Rohrer trommelten die gestylten Tambouren die Zuhörerinnen und Zuhörer zurück in den Saal. Selbst die Raucher, die vor einiger Zeit aus der Mehrzweckhalle verbannt wurden, inhalierten die letzten Züge ihrer brennenden Zigarette und schlenderten zurück an ihre Tische. Der Titel „Mini Me“ fand beim Publikum Anklang und wurde mit grossem Applaus belohnt. Verstärkt mit verschiedenen Perkussionsinstrumenten schlugen die Tambouren sprichwörtlich noch einmal so richtig auf die Pauke.

Auch der zweite Konzertteil war gespickt mit zahlreichen musikalischen Ohrwürmern. Bekannte Melodien von Fernsehserien wie JAG oder Hawaii Five-O vermittelte dem Publikum die Atmosphäre eines gemütlichen Fernsehabends zu Hause in der guten Stube. Doch der eigentliche Headliner des Abends „Crime Time“ brachte auch mich dazu, mich zurück zu erinnern, an die guten alten Krimiabende, die unter anderem für viele schlaflose Nächte verantwortlich waren. Tatort, Derrick und ein Fall für zwei. Echte Klassiker in der Krimiabteilung des Schweizer Fernsehens. Der Musikgesellschaft Allmendigen/Thun gelang es mit Erfolg, alte Erinnerungen an diese Zeit aufzuwecken. Ein grosses Lob meinerseits an den Saxophonisten, Florian Burger. Er solierte zur Titelmelodie von Tatort souverän, selbstsicher und ausgesprochen groovig. Ich beobachtete einige ältere Zuhörer, die doch noch den einen oder anderen Fuss anhoben und zum Takt mit tappten. Auch bei „Yackety Sax“, wie es der Titel bereits verspricht, kamen wir in den Genuss eines weiteren Saxophonsolos. Silvia Rüttimann überzeugte einmal mehr fehlerfrei und forderte das ganze Musikkorps auf, ihr Tempo zu halten. Die Anspannung und Nervosität war ihr ins Gesicht geschrieben. Umso grösser war die Erleichterung, als ihr Vortrag mit tobendem Applaus belohnt wurde. Als Musikerin oder Musiker, egal wie viel Erfahrung und Auftritte man schon gesammelt oder bestritten hat, wird man das Lampenfieber wohl nie ganz los. Aufmerksame Leserinnen und Leser haben nun sicher schon bemerkt, dass es sich bei Silvia um meine Schwester handelt. Deshalb werde ich mich in meinem Bericht mit allzu grossem Lob natürlich zurückhalten. Dieses habe ich natürlich unmittelbar nach dem Konzert bereits persönlich ausgesprochen. Das Publikum wollte jedoch nicht aufhören zu applaudieren. So entschloss sich der Dirigent, Enrico Calzaferri, ganz spontan eine kurze Zugabe zu geben.

Das diesjährige Unterhaltungskonzert wurde schlussendlich mit den beiden Titeln „Police Academy und „Das A-Team“ beendet.
Nun genoss ich den Rest des Abends mit gemütlichen Gesprächen. Viele Aktivmitglieder des Musikkorps und auch bekannte Passivmitglieder waren an der Bar anzutreffen, oder blieben auf ihren Plätzen sitzen und genossen bei einem kühlen Bier oder Mineral die gute Stimmung. Ich erhielt nun auch die Gelegenheit, die verschiedenen Deko-Plakate in der Mehrzweckhalle zu besichtigen. Passend zum Konzertprogramm schmückten verschiedene Collagen die eher kahlen Wände und Fenster der Halle. Grosser Dank hierbei an das Deko-Team.

Ich bedanke mich bei der Musikgesellschaft Allmendigen/Thun für diesen gelungenen Abend. Macht weiter so. Pflegt die Kameradschaft, geniesst die Musik und seit bestrebt, immer das Beste aus euch herauszuholen, ohne dabei die Freude an der Sache zu verlieren. Ich freue mich auf weitere Auftritte von euch. Bravo.

Roger Rüttimann